Der Verband baden-württembergischer Omnibusunternehmer (kurz WBO) hat heute via Presse verlauten lassen, dass die Landesregierung mit ihrer Förderung des Schienenverkehrs dafür verantwortlich sei, dass im Ländle in den letzten Wochen drei Bushersteller ihre Produktion eingestellt hätten.
Es ist zwar bedauerlich, dass bei Neoplan, Volvo und Auwärter viele Arbeitsplätze und Knowhow verloren gehen. Dafür aber der Landesregierung eine "ideologisch geprägte Verkehrspolitik" anzulasten, halte ich nicht nur für wenig stringent argumentiert. Ich halte das vielmehr für abstrus, denn wenn der Landesregierung eine ideologische Prägung vorgeworfen werden kann, dann mit Sicherheit bei ihrer Liebe zum Auto. Außerdem ist es einfach so, dass Bushersteller (auch deutsche) z.B. in der Türkei (Mercedes-Benz) oder in Polen (Solaris) viel billiger produzieren als in Baden-Württemberg.
Den Angriff des WBO halte ich für unlogisch und strategisch falsch. Meines Erachtens gehören Bus und Bahn zusammen. Nur gemeinsam stärken sie den Umweltverbund, mit dem den umweltschädlicheren Verkehrsarten Auto und Flugzeug Konkurrenz gemacht werden kann. Wer also versucht, Bus und Bahn gegeneinander auszuspielen, der wird sich über kurz oder lang ins eigene Fleisch schneiden.
Ich kann mich aber des Eindrucks nicht erwehren, dass einige Busunternehmen überhaupt kein Interesse daran haben, dass sich im ÖPNV etwas entwickelt. Viel lieber wollen sie die Linien fahren, die sie schon seit 50 Jahren unverändert bedienen und natürlich auch bezuschusst bekommen. Aber die Welt ändert sich, und damit auch Verkehrsströme und Bedarf an öffentlichen Verkehrsdienstleistungen. Wer hier keine Chancen sieht, sondern Probleme, der wird den ÖPNV im Land nicht nach vorne bringen.
Ab einer bestimmten Transportleistung (Fahrgastaufkommen, Wegstrecke ...) ist die Schiene viel attraktiver als ein Bus (Komfort, Zuverlässigkeit). Das lässt sich ganz einfach daran ablesen, dass sich Fahrgastaufkommen vervielfachen, wenn Busse durch Bahnen ersetzt werden. Völlig unbestritten ist, dass Busse als Zubringer zu Bahnen unersetzlich sind, denn wenn die Menschen erst einmal im Auto sitzen, dann steigen sie in den seltensten Fällen wieder aus.
Klar ist auch, dass sich ein Bahnbetrieb nicht bis in die kleinsten Dörfer auf der Schwäbischen Alb (oder sonst irgendwo ... nix gegen die Schw. Alb) lohnt. Auch hier brauchen wir ein leistungsfähiges Busnetz.
Was meint ihr?
